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Der Katastrophenschutz hat viele Aufgaben - wir stellen Sie vor

Ein Klick auf die Bereiche verrät mehr

Sirenen über der Stadt

Wenn sie zu hören sind, dann sollen die Bürger reagieren: Eine Minute lang, ein- auf- und abschwellender Ton. Der bedeutet: Suchen Sie ein Gebäude, eine Wohnung auf. Schließen Sie Fenster und Türen, schalten Sie das Radio ein und achten sie auf Informationen. So lautet der Rat der Katastrophenschützer. Sie sind unter anderem auch für die Sirenen der Stadt zuständig.

16 moderne Hochleistungs-Sirenen wurden erst vor wenigen Jahren neu in Norderstedt installiert. Die Stadt machte damit quasi eine Rolle rückwärts - und ist Vorbild: Sirenen waren über viele Jahrzehnte quasi das Mittel der Wahl, um die Bevölkerung vor großen Gefahren zu warnen. Denn - wie bei so manchem, was den Katastrophenschutz betrifft - wurden sie abgebaut. Auch die Feuerwehren werden seit vielen Jahren digital - also „still“ - über Funkmeldeempfänger alarmiert. Auch ging man davon aus, die Bürger schon anders zu erreichen: Zum Beispiel per Smartphone-App. Hat dies aber einen Weckeffekt, so wie die Sirenen? Nein. Daher ist nun wieder alles anders. Auch die Millionenstadt Hamburg setzt mehr und mehr auf diese „klassische Technik der Warnung“, so Experten.

Regelmäßig, zwei Mal im Jahr, werden die Norderstedter Sirenen getestet. Die Bürger sollten genau hinhören: „Ob und wo die Sirenen zu hören sind, dies ist für uns sehr wichtig. Im Notfall soll ja jeder Norderstedter vom durchdringenden Ton erreicht werden“, so das erklärte Ziel.

Bund und Länder haben gemeinsam beschlossen, ab dem Jahr 2020 jährlich an jedem zweiten Donnerstag im September einen bundesweiten Warntag stattfinden zu lassen. Er soll dazu beitragen, die Akzeptanz und das Wissen um die Warnung der Bevölkerung in Notlagen zu erhöhen.

Was Test und Realfall eint, erklären die Katastrophenschützer so: „Sobald ein gleichmäßiger Ton eine Minute durchgängig läuft, gilt dies als Entwarnung.“

Übrigens: Wer am PC hören möchte, wie die Sirenen sich anhören, kann dies unter anderem hier tun.

BIWAPP

Großfeuer, Stromausfall, Unwetter oder Katastrophenfall sind nur einige von vielen Gefahrenlagen, über die die Stadt Norderstedt ihre Bürgerinnen und Bürger per BIWAPP informiert und warnt. BIWAPP steht für „Bürger Informations- und Warn-App“, welche kostenfrei im Google-Play-Store für alle Android- und im Apple-Store für alle iOS-Geräte heruntergeladen werden kann.

Das Besondere an dieser App: BIWAPP-Nutzer können individuell festlegen, über welche Themen, für welche Orte und in welchen Umkreisen sie informiert werden möchten. Sobald die Stadt Norderstedt, die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle, die Stadtwerke oder eine andere offiziell zuständige Institution eine Warnung oder Information herausgibt, leitet BIWAPP diese sofort an die Nutzer weiter.

Bei der Bereitstellung von Informationen setzt die Stadt auf die enge Zusammenarbeit zwischen den Institutionen, um damit bestmöglich vor Gefahren zu warnen und schnellstmöglich über Handlungsempfehlungen zu informieren. So werden zum Beispiel Informationen über Wasser- und Stromversorgung, Schulausfälle, Verkehrsinformationen, Unwetterwarnungen, Blindgängerfunde, Feuer, Chemieunfälle, Großschadenslagen, Hochwasser, Tier-Seuchen und allgemeine Gefahren bereitgestellt.

Die sofortige Information kann durch die „Push-Nachricht“ oder einfache Mitteilung erfolgen - und ist auch nach der Gefahrenlage im Meldungsarchiv der App weiterhin abrufbar. Mit der praktischen Weiterleitungsfunktion können Nutzer selbst aktiv werden, indem sie Familien und Freunde bei Gefahrenlagen sofort benachrichtigen. Weitere Funktionen sind unter anderem die Ortungsfunktion für den Notfall, die Notruftaste für eine schnelle Verbindung zu Feuerwehr und Rettungsdienst oder das Abrufen von Wasserpegelständen.

Weitere Information zur Warn-App BIWAPP gibt es auch hier und hier.

Notbrunnen

Mit dem Bescheid vom 26.10.1971 hat das Land Schleswig-Holstein die Stadt Norderstedt gemäß Wassersicherstellungsgesetz (WasSG) zur Errichtung von vier Notstandsbrunnen verpflichtet. Hintergrund waren die damaligen Vorgaben des WasSG und Rechtsvorschriften, eine staatliche Minimalversorgung mit Trinkwasser für die Bevölkerung zu schaffen. Am 29.08.1973 waren diese Brunnen, jeweils in einem Stadtteil, fertiggestellt.

Kann in einem Ereignisfall oder in einer Extremsituation die öffentliche Wasserversorgung vom Wasserversorgungsunternehmen (Stadtwerke Norderstedt) nicht mehr sichergestellt werden, ist die Versorgung durch den Einsatz dieser vier unabhängigen Brunnen sinnvoll. Dies kann z.B. von temporär verlegten Verbindungsleitungen, durch den Einsatz von Wassertransportfahrzeugen/Verlastung von Faltbehältern oder durch die Bereitstellung von (abgepackten) Trinkwasser erfolgen.

Bei den vier Notbrunnen handelt es sich um leistungsnetzunabhängige Anlagen, die sich mitten in Wohngebiete der vier Stadtteile befinden. Die Förderung des Grundwassers (welches regelmäßig untersucht wird) erfolgt durch eine festinstallierte Unterwassermotorpumpe am Brunnen, der durch Anschluss an das öffentliche Stromnetz oder auch autark betrieben wird/werden kann.

Ein durchschnittlicher Trinkwassernotbrunnen liefert ca. 6.000 Liter Wasser pro Stunde.

Ehemaliger Schutzraum

Unter dem Rathaus baute die Stadt Norderstedt in Zeiten des Kalten Krieges einen Schutzraum - heute eine Garage für Autos. Die Idee wäre für maximal 1.200 Menschen gut gewesen. Aber was hätten die anderen - heute rund 80.000 Einwohner der Stadt - getan? Wäre es zum Schlimmsten gekommen, wären die Plätze ohnehin arg begrenzt gewesen. Irgendwer hätte selektieren müssen.

Auch daher wurde der Plan 2011 verworfen: „Die Kosten für die Vorhaltung einer solchen Anlage ist in der heutigen Zeit nicht mehr gerechtfertigt“, erklärt Stefanie Damm, stellvertretende Leiterin des zuständigen Amtes 37. Die Bundesanstalt Technisches Hilfswerk hatte Bewirtschaftung für die „Mehrzweckanlage“ - so der offizielle Name des 1984 eröffneten Bauwerkes - übernommen. Doch gerade die Instandhaltung der besonderen Schutzeinrichtungen gegen alle möglichen Gefahren, verschlang tausende Euro pro Jahr. Geld, das nun sinnvoller investiert wird.

Wer heute mit offenen Augen durch das Rathaus und die Tiefgarage (Zufahrt Rathausallee, Heidbergstraße) geht, findet Relikte aus der alten (Schutz-)Zeit: So manche Türen sind klar als Schutztüren erkennbar, Rohre einer besonderen Belüftungsanlage hängen noch immer - nun ungenutzt - an der tiefen Decke. Einige besondere Dinge sind in verschlossenen Räumen vorhanden: „Das meiste ist jedoch abgebaut worden. Ohne weiteres wäre die Mehrzweckanlage nicht mehr reaktivierbar. Heutzutage bereiten wir uns auf andere Gefahren vor und bitten den Bürger, zu Hause zu bleiben - und auf das zu hören, was wir im Notfall ansagen“, so Damm. Einzig das Stromaggregat ist noch aktiv und kann Teile des Rathauses mit unabhängigem Strom versorgen.

Maßnahmen im Schadenfall

Abwehrende Maßnahmen werden ergriffen, wenn eine besonders schwere Gefahrenlage oder eine Katastrophe droht oder bereits eingetreten ist.

Im Lage- und Führungszentrum übernimmt der Führungsstab die Gefahrenabwehrleitung. Zunächst gilt es, einen Überblick über die Lage und den Schadensumfang zu erhalten, um die erforderlichen Maßnahmen zur Schadensbegrenzung und weitere Hilfe einzuleiten und zu koordinieren. Die weitere Lageentwicklung wird fortlaufend erfasst und bewertet.

Eine wichtige Aufgabe ist die Warnung der Bevölkerung vor Gefahren und die Information über das richtige Verhalten zu ihrem Schutz. In vielen Fällen wird ein Bürgertelefon eingerichtet, um Anfragen aus der Bevölkerung zu beantworten.

Führungsorganisation

Im Falle eines drohenden oder bereits eingetretenen Ereignisses wird ein Führungsstab gebildet, der die Maßnahmen der Gefahrenabwehr organisiert und koordiniert. Er setzt sich zusammen aus Mitarbeitern der Verwaltung, Führungskräften der im Katastrophenschutz mitwirkenden Hilfsorganisationen sowie externen Fachleuten (je nach Schadenslage Polizei, Bundeswehr, Stadtwerke, Deutsche Bahn AG, TÜV Nord etc.) und ist eine stabsmäßige, in Sachgebiete aufgeteilte, Organisationsform einer Einsatzleitung.

Aufgabe eines Führungsstabes (FüStab) ist es, Maßnahmen zwischen Einsatzleitungen fachlich und zeitlich koordinierend anzuordnen und Personal sowie Material aus übergeordneter Sicht schwerpunktmäßig zu verteilen. In der Regel übernimmt er keine direkten Einsatzleitungsaufgaben. Der FüStab ist aber auch geeignet, um – außerhalb von Großschadenereignissen und von Katastrophen- insbesondere Verwaltungsaufgaben zu erledigen, die im originären Zuständigkeitsbereich der Behörde liegen und unvorhergesehen, kurzfristig sowie ggf. unter Beteiligung mehrerer Fachbereiche erledigt werden müssen.

Die wesentlichen Aufgaben des Führungsstabes:

  • Festlegung der Einsatzschwerpunkte
  • Ordnung des Raumes
  • Ordnung der Kräfte
  • Ordnung der Zeit
  • Ordnung der Informationen
  • Logistik

Der Führungsstab lenkt und koordiniert den Einsatz der Kräfte aus dem Lage- und Führungszentrum (LFZ) im Feuerwehrtechnischen Zentrum. Alle Mitglieder des Führungsstabes nehmen diese Aufgabe freiwillig wahr und wurden durch die Oberbürgermeisterin berufen.

Das LFZ muss spätestens 30 Minuten nach Alarmauslösung betriebsbereit und vom Amt 37 während des Alarmfalles, wenn tatsächlich oder wahrscheinlich erforderlich, ständig besetzt sein. Regelmäßige Übungen und die Nutzung moderner Informations- und Kommunikationssysteme versetzen den Führungsstab in die Lage, Großschadenslagen und Katastrophen zu bewältigen.

Bei der Koordination der Einsatzkräfte wird der Führungsstab ggf. durch Führungskomponenten vor Ort unterstützt.

Führungskomponenten

Hierbei handelt es sich meistens um den Einsatz einer mobilen Einheit, der Technischen Einsatzleitung (TEL), die sich aus Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr Norderstedt zusammensetzt. Die TEL wird an der Schadensstelle eingerichtet - entweder ortsfest in vorhandenen Gebäuden oder mobil in einem Einsatzleitfahrzeugwagen der Feuerwehr Norderstedt. Ihr obliegt die technische und taktische Führung aller ihr für den Einsatz unterstellten Einheiten, auch verschiedener Fachdienste, am Gefahren- oder Schadensort. Auch in der TEL werden, analog zum Führungsstab, die entsprechenden Sachgebiete gebildet.

Bürgertelefon

Bei größeren Schadensereignissen oder in Katastrophensituationen kommt es häufig vor, dass Betroffene oder deren Angehörige, aber auch Bürgerinnen und Bürger Informationen suchen. In diesen Fällen richtet die Stadt Norderstedt parallel mit dem Führungsstab ein Bürgertelefon ein, um gebündelte Informationen zielgerichtet weitergeben zu können.

Es ist dann die erste telefonische Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger, um Informationen zur Lage oder zu Verhaltensmaßnahmen zu erhalten.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind für diese Aufgabe entsprechend ausgebildet.

Das Bürgertelefon ist nur im Schadens- bzw. Katastrophenfall besetzt und dient ausschließlich der Notfallinformation.

Im Ereignisfall ist das Bürgertelefon der Stadt Norderstedt unter folgender Telefonnummer zu erreichen: 040/ 94 360 360.

Technik/Material/Ausstattung

Wenn die Elektrizität länger ausfällt, könnte dies ein Fall für den Katastrophenschutz werden. Aber auch andere Schadensereignisse könnten dazu führen, dass Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen eingeleitet werden müssen.

Um erste Maßnahmen treffen zu können, hat die Stadt Norderstedt vorgesorgt.

So werden drei Notstromaggregat-Anhänger vorgehalten, um bestimmte Einrichtungen mit Strom versorgen zu können.

Ergänzend hierzu gibt es einen Diesel-Tankanhänger mit einem Volumen von 1.000 Liter. Zum Bewegen dieser Anhänger steht ein Zugfahrzeug zur Verfügung. Dieses Fahrzeug ermöglicht darüber hinaus auch den Transport von zusätzlichem Material zu Einsatzstellen.

Für umfangreichere Transporte steht ein Wechselladerfahrzeug mit einem Abrollbehälter-Logistik (AB-Logistik) bereit.

Im Falle einer Trinkwassernotversorgung besteht so die Möglichkeit, einen oder mehrere der vier Notbrunnen der Stadt zu aktivieren. Die Zuführung von mobilen Ressourcen wie Verbundleitungen, Trinkwasserbehältern und sonstiger technischer Ausstattung, die bei der Stadt vorgehalten wird, erfolgt mit diesem Fahrzeug.

Für die kurzfristige Unterbringung evakuierter Personen werden z.B. Feldbetten und Decken vorgehalten.

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